Kanincheninfo Frühkastration

 

Kanincheninfo

Herkunft und Rassen

Kaninchen sind von der Klassifizierung her keine Nagetiere, sie gehören zur Ordnung der Lagomorpha = Hasenartige = Doppelzähner, Familie Leporidae (Hasen), Gattung: Oryctolagus cuniculus, Art: europäisches Wildkaninchen

Unsere Hauskaninchen stammen vom europäischen Wildkaninchen ab. Diese waren ursprünglich auf der iberischen Halbinsel (Spanien) beheimatet. Dort wurden sie von Seefahrern als lebendes Proviant mit auf die Schiffe genommen und gelangten so in verschiedene europäische Länder, mittlerweile wurden von den Menschen nahezu überall auf der Erde angesiedelt, in manchen Ländern gelten sie als massive Schädlinge (beispiel Australien, dort wurde erstmals versucht, die Tiere mittels der von Kaninchenhaltern so gefürchteten Myxomatose auszurotten).

Bereits im 16. Jahrhundert wurde mit der Zucht verschiedener Hauskaninchenrassen begonnen. Sie wurden zunächst hauptsächlich als Fleisch- und Pelzlieferanten gezüchtet und somit entstanden zuerst die großen Rassen und Angorakaninchen. Aber auch die Farbenzucht wurde früh begonnen, wenn auch anfangs eher als Spielerei. Nach und nach entstanden dann verschiedene Rassen, wie z.B. die beliebten Widderkaninchen und leider treiben es seit dem auch manche Züchter auf die Spitze und züchten nicht mehr zum Wohl des Tieres, sondern um eigene Schönheitsideale verwirklicht zu sehen. Die so beliebten Zwergkaninchen wurden erst Anfang bis Mitte des 20. Jahrhunderts gezüchtet.

Unterschieden wird zwischen:

Großrassen (von ca. 5 - 8,5 kg Körpergewicht): Deutscher Riese grau, Deutscher Riese weiß, Deutscher Widder, Deutscher Riesenschecke

Mittelgroße Rassen (von ca. 3 - 5 kg Gewicht): Alaska, rote und weiße Neuseeländer, Meissner Widder. (Diese Tiere gehören leider mittlerweile zu den vom Aussterben bedrohten Haustierrassen)

Kleine Rassen (2,00 bis 3,00 kg): Perlfeh, Holländer, Deutscher Kleinwidder, Hermelin, Widderzwerg und nach Farbschlägen, wie russenfarbig, lohfarbig, japanerfarbig. Kurzhaarrassen: Rexkaninchen, Castor Rex, Feh-Rex, Dalmatiner Rex, Rexzwerge Langhaarrassen: Angora, Jamora, Fuchskaninchen und auch wieder Fuchszwerge.

Der Begriff Zwergkaninchen ist für alle Kaninchen geprägt worden, die unter 2 kg wiegen

Wildlife

Kaninchen leben in freier Wildbahn in großen Gruppen/Familienverbänden. Sie legen gemeinsam unterirdische Baue an, rund um diese Bauten liegt ihr Revier. Die Reviergrenzen des bis zu einem Kilometer großen Reviers werden deutlich durch Urin und Kot markiert. Kaninchen zeigen ihren Artgenossen gegenüber ein sehr ausgeprägtes Sozialverhalten. Innerhalb einer Gruppe gibt es eine sehr klare Rangordnung. Ranghöhere Tiere leben tiefer im Bau, in den Außenbereichen leben rangniedrigere Tiere.

In der Dämmerung verlassen die Tiere ihre Bauten, um Nahrung aufzunehmen. Dabei bleiben sie meist dicht am Bau, um bei Gefahr schnell in ihren Bau flüchten zu können. Es gibt meist wesentlich mehr Zugänge zu dem Bau als Kaninchen, so kann ein rettender Eingang schnell gefunden werden. Kaninchen sind relativ reviertreu und bleiben meist in ihren Familien unter sich. Jungtiere und Weibchen anderer Gruppen werden allerdings durchaus mitunter ins Rudel aufgenommen, erwachsene Rammler hingegen werden sofort angegriffen und vertrieben. Kämpfe innerhalb der Familie werden ebenfalls ausgetragen, vor allem, um eine höhere Rangposition innerhalb des Rudels zu erlangen, wenn das eigene Revier / der eigene Bau verteidigt wird. Auch paarungsbereite Tiere kabbeln sich häufiger.

Es wird angenommen, dass Kaninchen innerhalb ihrer Gruppe feste Paargemeinschaften bilden. Rammler und Häsin leben gemeinschaftlich in einem Bau, sie schlafen zusammen und gehen gemeinsam auf Futtersuche. Dabei sind gerade die Rammler wohl nicht immer treu und beglücken durchaus auch andere Weibchen. Die Häsinnen hingegen sollen angeblich jeden anderen Rammler abwehren, wenn sie in einer festen Beziehung leben. Die Rangordnung innerhalb des Baues und somit auch der Schlafplatz wird vorwiegend von den Weibchen fest gelegt, die Rammler hingegen haben eine eigene Rangordnung, die überwiegend anderen Zwecken dient. Es ist nicht zwangsläufig so, dass das ranghöchste Weibchen mit dem ranghöchsten Rammler zusammen lebt.

Die Tatsache, dass Kaninchen in freier Wildbahn niemals allein leben und feste Partnerschaften eingehen, sollte jedem Halter deutlich zeigen, dass Kaninchen niemals allein gehalten werden dürfen!

Für die Heimtierhaltung hat es sich bewährt, einen kastrierten Rammler mit einem Weibchen zusammen zu halten. Größere Gruppen benötigen allerdings sehr viel mehr Platz, Erfahrung und Zeit - Anfängern raten wir deshalb davon ab.

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Soziale Kaninchen - Keine Einzelhaltung!

Geschlechtsreife

Geschlechtsreif werden Zwergkaninchenrassen mit etwa 3 Monaten. Große Kaninchen (Schlachtkaninchen ab etwa 5 kg) mit 4 - 5 Monaten. Gerade Zwergkaninchen sollten deshalb mit spätestens 12 Wochen nach Geschlecht getrennt und die Rammler kastriert werden. Nach der Geschlechtsreife folgt mit etwa 6 - 8 Monaten die Zuchtreife mit einem vermehrten Geschlechtstrieb. Dies ist der Zeitpunkt, an dem die Weibchen häufig anfangen, mit Artgenossen zu streiten, ihre Reviere massiver zu markieren und sie werden dann allgemein etwas unverträglicher. Bei manchen Weibchen fällt es kaum auf, andere hingegen werden zu echten Furien. Auch Weibchengruppen sind dann häufig instabil. Bei Tieren, die dazu neigen, ist das auch die Zeit, wo sie zum ersten Mal Scheinschwanger werden.

Geschlechtsbestimmung

Das Geschlecht ist bei ausgewachsenen Tieren sehr gut zu unterscheiden, bei Jungtieren bis zu sechs Wochen ist es für ungeübte Laien eher schwer bis unmöglich. Zur Geschlechtsbestimmung müssen die Kaninchen auf den Rücken gelegt werden, am besten macht man das deshalb zu zweit. Das Kaninchen wird rücklinks (Kopf nach oben) auf den Schoß (besser im Schneidersitz auf dem Boden) gelegt. Es muss dabei gut gestützt werden. Die Bauchdecke wird nach oben gespannt, die Geschlechtsecken ein wenig zur Seite gezogen. Erwachsene Rammler haben klar erkennbare Hodensäcke an den Seiten (die Hoden sind nicht immer zu erkennen, sie können eingezogen werden) , bei Jungtieren ist da nichts zu sehen. Drückt man den Rammlern kurz vor der Geschlechtsöffnung auf den Bauch, tritt der Penis hervor. Ist man etwas ungeübt, kann man auch von der Geschlechtsöffnung weg in Richtung Bauch mit sanftem Druck streicheln - bei Rammlern tritt dann auch nach einiger Zeit der Penis hervor. Bei Weibchen ist ein Schlitz zu erkennen.

 

Hasin

Häsin

    Rammler

Rammler

Kastration

Sollten Sie sich für ein Pärchen entscheiden, oder möchten Sie zwei Rammler aufnehmen, müssen die Rammler kastriert werden. Lassen Sie bei einem Paar den Rammler rechtzeitig kastrieren und lassen Sie ihn erst nach der Quarantänezeit von 6 Wochen zu dem Weibchen. Wir raten dringend davon ab, unkastrierte Kaninchen zusammen zu halten, bzw. die Häsin einmal decken zu lassen. Es gibt viele ungewollte Kaninchen in den div. Notaufnahmen und Tierheimen und es werden ständig mehr, es ist also nicht sinnvoll, noch mehr Kaninchen zu produzieren. Falls Sie sich Nachwuchs wünschen, lesen Sie hier weiter: Kaninchen Nachwuchs.

In fast jedem Tierheim und jeder gut geführten Notaufnahme bekommen Sie bereits kastrierte Rammler!

Wir empfehlen mittlerweile die Frühkastration vor der Geschlechtsreife, bei Zwergkaninchen zwischen der 10. und 12. Lebenswoche, bei großen Rassen bis zur 16. Woche. Danach kann der Bock gleich wieder zu seiner Familie oder mit einem Weibchen vergesellschaftet werden und bleibt nicht lange allein. Wenn Sie also ein Geschwisterpaar aufnehmen, ist es notwendig, dass Sie sich rechtzeitig einen Tierarzt suchen, der den Rammler frühkastriert. Nur dann ist keine Quarantäne nötig und der Rammler wird auch gar nicht erst anfangen seine Umgebung zu markieren.

Wenn Sie einen älteren Rammler aufnehmen, dann sollte er unverzüglich kastriert werden. Auch ältere Tiere können bedenkenlos kastriert werden, wenn sie sonst gesund sind. Wir lassen Rammler auch bis ins hohe Alter von 8 Jahren kastrieren, wenn keine gesundheitlichen Gründe dagegen sprechen.

Ein Rammler, der vor der Kastration schon geschlechtsreif war, bleibt zwischen 3 und 6 Wochen zeugungsfähig und darf also erst nach 6 Wochen Quarantäne wieder zum Weibchen!